Accessibility-Heuristiken
Jens Meiert, 3. August 2004 / 9. Oktober 2008. ISSN 1614-3124, Ausgabe 7.
Heuristiken entsprechen zwar nur Daumenregeln, können aber äußerst effektiv sein, um Grundsätze zu vermitteln, indem sie eine Art »mnemonisches Framework« schaffen. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Heuristiken aus dem Bereich Barrierefreiheit (Accessibility) heraus, und zwar die, die uns bereits das W3C und IBM gelehrt haben.
W3C-Richtlinien
Erfahrene Webentwickler sollten diese Regeln schon im Blut haben, unerfahreneren seien sie angeraten – Grundregeln zur Erstellung zugänglicher Websites. Die bekanntesten Prinzipien zur Barrierefreiheit hat das W3C bereits vor Jahren aufgestellt. Dessen Quick Tips empfehlen:
- Bilder und Animationen: Beschreiben Sie ihre Funktion mit dem
alt-Attribut. - Image-Maps: Verwenden Sie nutzerseitige
map-Elemente sowie Texte für Hotspots. - Multimedia: Untertitel und Transkriptionen (Abschriften) für Audio, Audiobeschreibungen für Video.
- Hyperlinks: Der Linktext sollte außerhalb des Kontexts verständlich sein. Vermeiden Sie zum Beispiel »hier klicken«.
- Aufbau der Seite: Verwenden Sie Überschriften, Listen und eine konsistente Struktur. Verwenden Sie möglichst CSS zur Formatierung.
- Graphiken und Diagramme: Fassen Sie sie zusammen oder verwenden Sie das
longdesc-Attribut. - Skripte, Applets und Plug-ins: Bieten Sie alternative Inhalte, wenn sie nicht zugänglich sind oder nicht unterstützt werden.
- Frames: Verwenden Sie das
noframes-Element und verständliche Titel. - Tabellen: Erlauben Sie zeilenweises Lesen. Fassen Sie ihren Inhalt zusammen.
- Überprüfen Sie Ihre Arbeit: Validieren Sie. Verwenden Sie unter www.w3.org/TR/WCAG/ gesammelte Software und Richtlinien.
Auch die Web Content Accessibility Guidelines 1.0 selbst entsprechen insgesamt einer Reihe von zusammenfassbaren Regeln. Obwohl sich einige Richtlinien wiederholen, stimmen diese jedoch nicht vollständig mit den obigen überein und werden somit ebenfalls vorgestellt (angelehnt an die offizielle deutsche Übersetzung):
- Stellen Sie äquivalente Alternativen für Audio- und visuelle Inhalte bereit.
- Verlassen Sie sich nicht allein auf Farbe.
- Verwenden Sie Markup und Stylesheets und tun Sie dies auf korrekte Weise.
- Verdeutlichen Sie die Verwendung natürlicher Sprache.
- Erstellen Sie Tabellen, die sich leicht umwandeln lassen.
- Sorgen Sie dafür, dass sich Seiten, die neue Technologien verwenden, leicht umwandeln lassen.
- Sorgen Sie dafür, dass Benutzer zeitgesteuerte Änderungen von Inhalten kontrollieren können.
- Sorgen Sie für direkte Zugänglichkeit eingebetteter Benutzerschnittstellen.
- Wählen Sie ein geräteunabhängiges Design.
- Verwenden Sie Zwischenlösungen.
- Verwenden Sie W3C-Technologien und -Richtlinien.
- Stellen Sie Informationen zum Kontext und zur Orientierung bereit.
- Bieten Sie klare Navigationsmechanismen.
- Sorgen Sie dafür, dass Dokumente klar und einfach gehalten sind.
Zuguterletzt können dann auch nochmal die Web Content Accessibility Guidelines 2.0 mit weiterführenden, ergänzenden kurzen Empfehlungen und abgeleiteten Heuristiken dienen, die das W3C auf einer »auf einen Blick«-Seite präsentiert:
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Wahrnehmbar:
- Bieten Sie textliche Alternativen für nicht-textliche Inhalte.
- Bieten Sie Untertitel und Alternativen für Audio- und Video-Inhalte.
- Gewährleisten Sie Anpassbarkeit der Inhalte, und machen Sie diese für assistive Technologien verfügbar.
- Verwenden Sie ausreichenden Kontrast, damit Inhalte leicht zu sehen und zu hören sind.
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Bedienbar:
- Machen Sie jegliche Funktionalität tastaturzugänglich.
- Gewähren Sie Benutzern ausreichend Zeit, um Inhalte zu lesen und zu gebrauchen.
- Machen Sie keinen Gebrauch von Inhalten, die Anfälle verursachen können.
- Helfen Sie Benutzern, Inhalte zu finden und zu navigieren.
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Verständlich:
- Gestalten Sie Texte lesbar und verständlich.
- Sorgen Sie dafür, dass Inhalte auf vorhersehbare Weise erscheinen und sich verhalten.
- Helfen Sie Benutzern, Fehler zu vermeiden und zu korrigieren.
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Robust:
- Erhöhen Sie Kompatibilität mit gegenwärtigen und zukünftigen Technologien.
IBM-Richtlinien
Nicht nur das W3C hat nützliche Heuristiken erarbeitet. Etwas allgemeiner ist das Regelwerk von IBM (unter der alten Adresse nicht mehr verfügbar; die ACM bietet kostenpflichtig die ursprüngliche Studie an), das gleichzeitig auch ein etwas breiteres Spektrum abdeckt. Es stellt die laut Ansicht des Autors einzige Sammlung dar, die neben den oben aufgezählten, verteilten W3C-Tips noch besondere Beachtung verdient:
- Bieten Sie sinnvolle und relevante Alternativen für nicht-textliche Elemente.
- Fördern Sie konsistente und korrekt ausgezeichnete Navigationsmechanismen.
- Erlauben Sie umfassenden und effizienten Gebrauch der Tastatur.
- Respektieren Sie die Browser-Einstellungen des Benutzers.
- Stellen Sie den sachgemäßen Gebrauch von Standard- und proprietären Bedienelementen sicher.
- Verlassen Sie sich nicht nur auf Farben, um zu differenzieren.
- Geben Sie Benutzern die Kontrolle über potentielle Ablenkungen.
- Erlauben Sie Benutzern, zeitliche Abhängigkeiten einzusehen und zu steuern.
- Stellen Sie sicher, dass erstellte Websites kompatibel zu assistiven Technologien sind.
Solche Heuristiken und Empfehlungen können und sollen natürlich kein Ersatz für WCAG, BITV oder Abschnitt 508 sein, erst recht nicht, wenn rechtliche Bestimmungen einzuhalten sind, dennoch aber helfen sie Anfängern wie Fortgeschrittenen durch ihre Einfachheit. Schließlich ist es jederzeit positiv, wenn für das Thema Barrierefreiheit sensibilisiert wird.