Accessibility-Heuristiken
Jens Meiert, 3. August 2004 / 1. Mai 2008. ISSN 1614-3124, Ausgabe 7.
Heuristiken entsprechen zwar nur Daumenregeln, können aber äußerst effektiv sein, um Grundsätze zu vermitteln, indem sie eine Art »mnemonisches Framework« schaffen. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Heuristiken aus dem Bereich Barrierefreiheit (Accessibility) heraus, und zwar die, die uns bereits das W3C und IBM gelehrt haben.
W3C-Richtlinien
Erfahrene Webentwickler sollten diese Regeln schon im Blut haben, unerfahreneren seien sie angeraten – Grundregeln zur Erstellung zugänglicher Websites. Die bekanntesten Prinzipien zur Barrierefreiheit hat das W3C bereits vor Jahren aufgestellt. Dessen Quick Tips empfehlen:
- Bilder und Animationen: Beschreiben Sie ihre Funktion mit dem
alt-Attribut. - Image-Maps: Verwenden Sie nutzerseitige
map-Elemente sowie Texte für Hotspots. - Multimedia: Untertitel und Transkriptionen (Abschriften) für Audio, Audiobeschreibungen für Video.
- Hyperlinks: Der Linktext sollte verständlich sein, wenn außerhalb Kontext. Vermeiden Sie zum Beispiel »hier klicken«.
- Aufbau der Seite: Verwenden Sie Überschriften, Listen und eine konsistente Struktur. Verwenden Sie möglichst CSS zur Formatierung.
- Diagramme: Fassen Sie sie zusammen oder verwenden Sie das
longdesc-Attribut. - Skripte, Applets und Plug-ins: Bieten Sie alternative Inhalte, wenn sie nicht behindertengerecht sind oder nicht unterstützt werden.
- Frames: Verwenden Sie das
noframes-Element und verständliche Titel. - Tabellen: Erlauben Sie zeilenweises Lesen. Fassen Sie ihren Inhalt zusammen.
- Prüfen Sie Ihre Arbeit: Validieren Sie. Verwenden Sie unter www.w3.org/TR/WCAG/ gesammelte Software und Richtlinien.
Ebenfalls vom W3C getrieben, entsprechen die Web Content Accessibility Guidelines insgesamt ebenfalls einer Reihe von zusammenfassbaren Regeln. Obwohl sich einige Richtlinien wiederholen, stimmen diese jedoch nicht vollständig mit den obigen überein und werden somit ebenfalls vorgestellt (angelehnt an die deutsche Übersetzung):
- Stellen Sie äquivalente Alternativen für Audio- und visuelle Inhalte bereit.
- Verlassen Sie sich nicht auf Farbe allein.
- Verwenden Sie Markup und Stylesheets und tun Sie dies auf korrekte Weise.
- Verdeutlichen Sie die Verwendung natürlicher Sprache.
- Erstellen Sie Tabellen, die sich leicht umwandeln lassen.
- Sorgen Sie dafür, dass sich Seiten, die neue Technologien verwenden, leicht umwandeln lassen.
- Sorgen Sie für eine Kontrolle des Benutzers bei zeitgesteuerten Änderungen von Inhalten.
- Sorgen Sie für direkte Zugänglichkeit eingebetteter Benutzerschnittstellen.
- Wählen Sie ein geräteunabhängiges Design.
- Verwenden Sie Interimslösungen.
- Verwenden Sie W3C-Technologien und -Richtlinien.
- Stellen Sie Informationen zum Kontext und zur Orientierung bereit.
- Bieten Sie klare Navigationsmechanismen.
- Sorgen Sie dafür, dass Dokumente klar und einfach gehalten sind.
IBM-Richtlinien
Nicht nur das W3C hat sehr nützliche Heuristiken erarbeitet. Etwas allgemeiner ist das Regelwerk von IBM (unter der alten Adresse nicht mehr verfügbar; die ACM bietet kostenpflichtig die ursprüngliche Studie an), das gleichzeitig auch ein etwas breiteres Spektrum abdeckt. Es stellt die – laut Ansicht des Autors – einzige Sammlung dar, die neben den oben aufgezählten »Quick Tips« noch besondere Beachtung verdient:
- Bieten Sie sinnvolle und relevante Alternativen für nicht-textliche Elemente.
- Fördern Sie konsistente und korrekt ausgezeichnete Navigationsmechanismen.
- Erlauben Sie einen umfassenden und effizienten Gebrauch der Tastatur.
- Respektieren Sie die Browser-Einstellungen des Benutzers.
- Stellen Sie den sachgemäßen Gebrauch von Standard- und proprietären Bedienelementen sicher.
- Verlassen Sie sich nicht nur auf Farben, um zu differenzieren.
- Geben Sie Benutzern die Kontrolle über potentielle Ablenkungen.
- Erlauben Sie Benutzern, zeitliche Abhängigkeiten einzusehen und zu kontrollieren.
- Stellen Sie sicher, dass erstellte Websites kompatibel zu assistiven Technologien sind.
Solche Heuristiken und Empfehlungen können und sollen natürlich kein Ersatz für WCAG, BITV oder Abschnitt 508 sein, erst recht nicht, wenn rechtliche Bestimmungen einzuhalten sind, dennoch aber helfen sie Anfängern wie Fortgeschrittenen durch ihre Einfachheit. Schließlich ist es jederzeit positiv, wenn für das Thema Barrierefreiheit sensibilisiert wird.