Jens Oliver Meiert

Accesskeys: Fakten und Standards

Artikel vom 13. November 2004 (↻ 4. Februar 2007). ISSN 1614-3124, #9.

Dieser Artikel ist möglicherweise veraltet.

Accesskeys, und dieser Bezeichnung gebe ich gegenüber den deutschen Pendants »Zugangs-« oder »Zugriffstasten« den Vorzug, erlauben über die Tastatur direkten Zugriff auf mit dem HTML-Attribut accesskey versehene Elemente. Dieser direkte Zugriff ist zumeist gleichzusetzen mit schnellerem Zugriff und bietet Benutzern, die über keine Maus oder ein anderes Zeigegerät verfügen, auch die einzige Möglichkeit, ohne Umwege auf etwas zuzugreifen – und darauf weisen unter anderem auch die Web Content Accessibility Guidelines im Abschnitt über Tastaturzugang hin.

Zu beachten ist aber, dass Accesskeys zwar erwiesenermaßen leicht zu integrieren und zu gebrauchen sind, aber durch Vorbelegungen nur sehr wenige Tasten als »sicher« gelten können. Zudem erscheint es äußerst erstrebenswert, einen Standard zu haben, der bestimmte Funktionen mit fest definierten Tasten assoziiert, wofür sich der bis dato britische Accesskey-Standard anbietet.

Accesskey-Spezifikation

Die HTML-Spezifikation definiert das folgende Verhalten für Accesskeys:

Das Drücken einer Zugangstaste, die einem Element zugeordnet ist, gibt dem Element den Fokus. Die Aktion, die eintritt, wenn ein Element den Fokus erhält, ist abhängig von dem betroffenen Element. Wenn ein Benutzer zum Beispiel einen Link aktiviert, der vom a-Element erzeugt wird, folgt der User-Agent generell diesem Link. Aktiviert ein Benutzer einen Radio-Button, verändert der User-Agent den Wert des Radio-Buttons. Aktiviert der Benutzer ein Textfeld, erlaubt er die Texteingabe &c.

Die Spezifikation erlaubt es, den Elementen a, area, button, input, label, legend und textarea das accesskey-Attribut zuzuweisen.

Leichter Gebrauch

Die Verwendung von Accesskeys ist sehr einfach, und als Autor dürfen Sie das accesskey-Attribut bei jedem der zuvor aufgezählten HTML-Elemente verwenden. Will man beispielsweise raschen Zugang auf eine bestimmte Seite ermöglichen, modifiziert man entsprechend darauf verweisende Links:

<a href="http://example.com/" accesskey="1">Home</a>

Als Benutzer können Sie hiervon profitieren, indem Sie zum Beispiel im Firefox-Browser unter Windows Alt und 1 drücken. Alternative Browser und Betriebssysteme erfordern teilweise andere Kombinationen:

»Unsichere« Tasten

Im Zusammenhang mit Accesskeys gibt es wie so oft in der technischen Welt Licht und Schatten, denn der theoretischen Möglichkeit, Elementen beliebige Tasten zuzuweisen und damit unmittelbaren Zugriff über die Tastatur zu bieten, steht die Einschränkung gegenüber, dass Webautoren prinzipiell nur drei Tasten sicher gebrauchen können, nämlich / (Slash beziehungsweise Schrägstrich), \ (Backslash) und ] (schließende eckige Klammer) – das hat zumindest WATS 2002 in einer nicht-wissenschaftlichen Studie ermittelt und dokumentiert.

Der Grund für diese Einschränkung sind hauptsächlich User-Agents (Browser, Screenreader &c.), bei denen bestimmte Kombinationen vorbelegt sind. So öffnet zum Beispiel Alt + D im (deutschen) Internet Explorer das Datei-Menü, womit D in diesem Fall offensichtlich schon keine gute Wahl mehr für einen Accesskey darstellt. Die populären Browser nehmen eine ganze Reihe von Tasten durch solche »Shortcuts« in Beschlag, und geht man – was WATS in der erwähnten Studie getan hat – noch weiter und bezieht gängige Bildschirmlesesoftware (wie JAWS und seine Verknüpfungen) mit ein, reduziert sich die Zahl der wirklich »sicheren« Tasten auf die zuvor erwähnten, nämlich /, \ und ]. Letztendlich sind sogar alle Tasten unsicher, wenn man andere Tastaturlayouts als die westlichen »QWERTY« und auch »QWERTZ« berücksichtigt (gemäß korrekter Feststellung von Jukka Korpela).

Von diesem Punkt aus kann man zweierlei Argumentationen folgen, nämlich auf den Einsatz von Accesskeys zu verzichten, da diese nie ohne potentielle Konflikte eingesetzt werden können, oder aufgrund der dennoch hohen Wahrscheinlichkeit, dass diese Probleme bei einem guten Teil zu wählender Tasten nicht auftreten werden, den Nutzen für blinde, auf die Tastatur angewiesene und auch »gewöhnliche« Benutzer zu betonen und dabei auf vorhandene und zu entwickelnde Standards zu setzen. Persönlich favorisiere ich letzteres.

Accesskey-Standards

Über die Jahre haben sich mehrere Accesskey-Schemata entwickelt, doch nur eines scheint sich als echter Standard durchgesetzt zu haben, wenn auch (logischerweise) eher im englischsprachigen Raum – der britische Accesskey-Standard. Dieser Standard wird im e-Government Web Handbook wie folgt spezifiziert:

Der Nutzen eines solchen Standards liegt auf der Hand: Bei großer Verbreitung könnten bestimmte Kombinationen ohne Nachsehen (oder Suchen) sofort angewendet werden, wie zum Beispiel das eingangs erwähnte Alt und 1, um auf jeder Website sofort wieder zur Homepage zu gelangen.

Um allen einen solchen direkten und standardisierten Zugang zu ermöglichen, vertrete ich die Ansicht, dass der im Commonwealth bereits verbreitete britische Accesskey-Standard als großartige Basis dienen kann, um nicht mehr länger nur britischer Standard zu sein, sondern auch als deutscher und internationaler Standard etabliert werden sollte. Dass unter anderem GMX (mit monatlich über einer Milliarde Seitenabrufen) diesen Standard adaptiert, ist sicherlich ein Zeichen und ein Schritt in diese Richtung.

Nachtrag (31. Januar 2006)

Insbesondere der Barrierefreiheitsexperte John Foliot (WATS) rät nachdrücklich vom Gebrauch von Accesskeys ab. Seine unter anderem auf Mailing-Listen von W3C und WebAIM vorgetragenen und diskutierten Argumente sind in verschiedenen WATS-Artikeln dokumentiert. (Die besagten und ehemals hier auch verlinkten Artikel entstammten der Feder von Derek Featherstone und wurden leider aus dem WATS-Angebot entfernt.)

Accesskeys können zwar vor allem in standardisierter Form grundsätzlich einen Mehrwert bieten, aber aufgrund der dargelegten Probleme auch selbst zur Barriere werden. Aus diesem Grund rate ich, auf Accesskeys vorerst zu verzichten, oder sie allenfalls nur spärlich und dann nach britischem Standard einzusetzen.

Über den Autor

Jens Oliver Meiert, Foto vom 23. Dezember 2015.

Jens Oliver Meiert ist ein deutscher Autor, Philosoph, Abenteurer, Künstler und Entwickler. Hier auf meiert.com teilt (und gelegentlich verallgemeinert und übertreibt) er einige seiner Gedanken und Erfahrungen.

Wenn Sie eine Frage oder ein Anliegen zu dem haben, was er schreibt, senden Sie gerne jederzeit eine Nachricht.

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Stand: 4. Februar 2007.

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