Schlechtes HTML ist teuer (und weitere Weisheiten)
Jens Meiert, 11. Februar 2009. ISSN 1614-3124, Ausgabe 40.
Wenn es um moderne, hochwertige Webentwicklung geht, ist das Wichtigste, das Markup, ergo (X)HTML, gebacken zu bekommen.
Es ist das HTML, das Dokumentinhalten Bedeutung verleiht und ausschlaggebend für Zugänglichkeit ist. Es ist das HTML, das bereits einigen Einfluss auf Ladezeiten und damit die Benutzererfahrung hat. Es ist das HTML, das den Schlüssel zu Wartbarkeit, andernfalls Flaschenhals darstellt. HTML macht einen guten Teil des Erfolgs einer Website aus – und einen guten Teil der Wartungskosten, wenn gepfuscht oder am falschen Ende gespart wird.
Was bedeutet das für HTML-Entwickler wie auch Website-Betreiber? Das Lernen und Schreiben von HTML ist nicht schwer, das Beherrschen von HTML aber erfordert tiefgehende Kenntnisse und Erfahrung, um Irrelevantes auszulassen und Wartungsfallen zu umgehen.
HTML-Expertenwissen (und da müssen nicht nur die Terminologie passen und Fragen zu MIME-Typen oder Content Sniffing beantwortet werden können) ist dabei aber noch subtiler und gemeiner, da Fokus auf gutes HTML Komplexität in Richtung CSS und DOM verschiebt. Jemand, der keine Ahnung von CSS hat, wird bei üblichen Design- und Dekorationsanforderungen gar nicht erst in der Lage sein, vernünftiges HTML zu schreiben. Erweiterte CSS-Kenntnisse (die zu den Themen »Conditional Comments« und »Reset«-Stylesheets höchstens ein Stirnrunzeln bedeuten) sind das Mindeste, das notwendig ist, um einfaches, wartbares HTML dann auch in die Praxis umzusetzen.
In der Branche wird vielerorts noch immer übersehen, dass auch in Zeiten von vorlagenbasierten Content-Management-Systemen die Wartung von HTML teuer ist. Die Wartung von HTML war schon immer kostspieliger als das Anpassen von Stylesheets und Scripts; aus genau diesem Grund gibt es letztere. Ausschließen kann man HTML-Änderungen nicht, deshalb ist auch die wirkliche Aufgabe und Herausforderung beim Schreiben von HTML-Dokumenten, die Wahrscheinlichkeit von HTML-Änderungen zu minimieren.
Was soll der HTML-Entwickler und der Website-Betreiber, vielleicht gar in Personalunion, nun tun? Sich nicht auf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen, sondern weiter lernen. Soviel HTML schreiben und aktualisieren und beobachten, dass das Träumen in spitzen Klammern von @style-Phobien abgelöst wird. Eine junge Profession nicht dadurch lächerlich machen, indem man entsprechende Positionen nur mit unerfahrenen Leuten besetzt. Nicht auf die hören, die noch nie ein reines CSS-Redesign durchgeführt haben. Und mal genau hinschauen, wo eigentlich das ganze Geld aus dem Webentwicklungsbudget hinfließt.
Tips, um vernünftiges HTML zu schreiben
Diese Website bietet seit weit mehr als einer halben Dekade sowohl deutsch- als auch englischsprachige Artikel zu professioneller Webentwicklung. Wenn Sie zugänglicheres, effizienteres, wartbareres HTML schreiben (lassen) wollen, helfen bereits einige der folgenden Tips:
- Reduzieren Sie die Wahrscheinlichkeit von HTML-Änderungen durch durchdachte ID- und Klassennamen. Oder verzichten Sie ganz auf IDs und Klassen, wenigstens zu Übungszwecken.
- Sparen Sie HTML ein und machen Sie Code übersichtlicher, indem Sie über den Dokumentkontext stylen.
- Erhöhen Sie Zugänglichkeit und Konsistenz durch korrekten Einsatz von Überschriften.
- Genießen Sie die wahren Vorteile von XHTML (aber sperren Sie Nutzer aus), indem Sie auch tatsächlich XHTML verwenden (
application/xhtml+xml). - Um das Maximum aus Ihren Dokumenten herauszuholen, ziehen Sie HTML vor. Auch gerne bereits HTML 5.
- Erleichtern und vereinfachen Sie Wartung durch den Einsatz von Website-Prototypen.
- Tappen Sie nicht in billige Wartungs- und Ladezeitfallen, wie beispiels- und üblicherweise beim Einsatz von Conditional Comments oder Reset-Stylesheets.
- Schützen Sie sich und Ihre Dokumente vor Ärger und Schande, indem Sie nur intelligente CSS-Techniken einsetzen.
- Machen Sie Dokumente nicht nur zugänglicher und professioneller, sondern auch schneller.
- Erhöhen Sie die Qualität Ihrer Dokumente, indem Sie sicherstellen, dass sie formell valid sind.
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