Jens Oliver Meiert

Jens Meiert über Blogs und Bloggen

Interview vom 12. Juli 2007, exklusiv für Bruce C. Brown.

Bruce C. Brown:

Wie würden Sie Ihren Einstieg ins Bloggen beschreiben, wie begannen Sie, sich für das Bloggen zu interessieren, und wie hat das Bloggen Sie persönlich beeinflusst?

Jens Oliver Meiert:

Dazu gibt es zwei Geschichten. 2003 fing ich an, regelmäßig meine deutschen Artikel und Übersetzungen zu den Themen Webentwicklung und Usability auf meiner Website zu veröffentlichen, und manch einer sieht diese deutsche Website als Blog an, auch wenn sie keine Kommentare zulässt. (Ich denke nicht, dass Kommentarfunktionalität bei Weblogs erforderlich ist, aber sie ist charakteristisch.) 2005 dachte ich erstmals darüber nach, ein englischsprachiges Blog zu etablieren, das im Januar 2007 schließlich auch live ging. Dieses »echte« Blog entsprang dem Wunsch, für ein »globaleres« Publikum zu schreiben sowie einfach über Dinge debattieren zu können, die mir selbst und anderen Professionellen missfallen oder zusagen.

Ich persönlich schätze Blogs aufgrund der großen Nähe zwischen Autoren und Lesern – Blogs bringen Menschen zusammen. Feeds und Kommentare machen es leicht, informiert und involviert zu sein, und ich schätze dies sowohl aus Autor- als auch aus Leserperspektive. Der Einfluss, den Bloggen auf mich hat, kann am besten durch zwei Aspekte beschrieben werden: Mehr Verantwortung und höheres Involvement.

Brown:

Aus wirtschaftlichem Blickwinkel: Wie denken Sie, kann Bloggen Kommunikation, Umsatz und Image eines Unternehmens positiv beeinflussen?

Meiert:

Um ehrlich zu sein: Ich halte »Corporate Blogging« immer noch für ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind diese Blogs eine tolle Sache, um mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit aufzubauen, was wiederum in mehr Umsatz und besserer Reputation resultieren mag. Auf der anderen Seite funktionieren sie nur, wenn bloggende Mitarbeiter auch wirklich aufrichtig sein können und es keine Zensur durch das Unternehmen gibt. (Zumindest muss dieser Eindruck die ganze Zeit aufrechterhalten werden.)

Das Problem ist, dass dies nicht in jeder Firma möglich ist, das zweifel ich doch stark an. Insbesondere größere Firmen werden mit dem Szenario konfrontiert werden, entweder Mitarbeiter bloggen zu lassen, die über bestimmte Dinge unglücklich sind – das mag zunächst vielleicht sogar positiv aufgenommen werden, da vertrauenserweckend, wird aber irgendwann »nach hinten losgehen« –, nur bestimmte Leute auszuwählen – das ist Zensur, nicht wahr –, oder irgend eine Kontroll- oder Überwachungsinstanz zu installieren.

Als Unternehmen muss man einfach nur sicherstellen, dass niemand die eigene Aufrichtigkeit anzweifeln kann. Als Außenstehender mag man darauf aber nur spekulieren – oder vielleicht wenigstens ein kleines bisschen paranoid werden.

Brown:

Was ist der beste Rat, den Sie jemandem geben können, der überlegt, ein Blog aufzumachen?

Meiert:

Seien Sie aufrichtig, konzentrieren Sie sich auf Genauigkeit, konzentrieren Sie sich auf Qualität.

Brown:

Was für Branchen-Websites und -Blogs verfolgen Sie regelmäßig?

Meiert:

Eine ganze Menge. Ich picke fünf zufällige heraus:

Brown:

Was sind Ihre Lieblingswerkzeuge oder -anwendungen für Blogs?

Meiert:

Ich schätze und empfehle auf jeden Fall WordPress. Andere Blog-Systeme, und ich habe bereits einige evaluiert, sind fast immer weniger benutzerfreundlich, schlechter wartbar oder geben schlechteren Code aus. Ich werde jedoch keine Entwicklungswerkzeuge, -Plug-ins (außer Akismet, das wirklich guten Spam-Schutz darstellt) oder ähnliches empfehlen, da dies einfach zu individuell ist. Die Bedürfnisse sind zu verschieden.

Brown:

Können Sie 5 Tips für erfolgreiches Bloggen geben?

Meiert:
  • Schreiben Sie zutreffend,
  • schreiben Sie regelmäßig,
  • seien Sie gesellig,
  • seien Sie ehrlich und
  • seien Sie leidenschaftlich.
Brown:

Können Sie 5 verbreitete Fehler beim Bloggen nennen?

Meiert:

Provokativ und dennoch vernünftig – es gibt nur einen Fehler:

  • Nicht aus Fehlern zu lernen.
Brown:

Was stellt die beste Methode dar, ein neues Weblog voranzubringen?

Meiert:

Solange es nicht »just for fun« ist, setzt man sich zunächst erstmal Ziele, wie auch immer diese aussehen mögen. Es ist dann schlichtweg einfacher, zu treffen.

Konfigurieren Sie Ihr Blog so, dass es Technorati, Google-Blogsuche und deren Verwandte pingt. Erstellen Sie einige Beiträge, die gut recherchiert, umfassend oder provokativ sind, aber in einer Weise, die der ähnelt, wie Sie auch in naher Zukunft schreiben. Erzählen Sie Ihren Freunden und Kollegen von Ihrem Blog, manche verlinken es vielleicht. Machen Sie Gebrauch von vertrauenserweckenden und relevanten Blog- und Feed-Verzeichnissen. Nutzen Sie Möglichkeiten, Links zu Ihrem Blog zu erhalten, beispielsweise auch in öffentlichen Profilen von LinkedIn und so weiter. Lernen und optimieren Sie. (Das endet jedoch nie, unglücklicherweise. Oder glücklicherweise.)

Brown:

In was für einer Beziehung stehen Ihre Website und Ihr Blog? Wie sind sie miteinander verbunden? Wie weit erstreckt sich das Blog auf Ihrer Website?

Meiert:

Nun, auf der einen Seite ist mein Blog relativ stark mit seiner deutschen Schwester verknüpft, hauptsächlich durch dieselbe »Corporate Identity«, einige gemeinsame Inhalte, die also auf beiden Sprachen vorliegen, und ein paar Gemeinsamkeiten in der Architektur. Auf der anderen Seite ist es jedoch auch ziemlich anders: Es zielt auf einen anderen – den englischen – Informationsraum mit anderem Material. Es basiert auf dynamischen Seiten, während der Rest der Website immer noch statisch ist.

Dieses »Hybrid-Konzept« funktioniert jedoch recht gut, auch wenn englischsprechende Leser kaum vom deutschen Part profitieren können. (Dieser ist sogar »noch professioneller«, da er ausschließlich fachliche Veröffentlichungen umfasst, von Büchern über Artikel bis hin zu Übersetzungen.)

Brown:

Wie wird Ihrer Ansicht nach die Zukunft des Bloggens aussehen?

Meiert:

Blog-Software wird Beiträge antizipieren und diese in alle verfügbaren Netzwerke hämmern.

Ernsthaft: In naher Zukunft erwarte ich in erster Linie stärkere Vereinfachung und mehr Automatisierung. (Sehr abstrakt, sicherlich.) Ich gehe zudem von weit mehr »Informationsraumverschmutzung« aus, also weniger Beiträge, die neue und wertvolle Informationen beinhalten, und viel mehr Spam, vielleicht mehr als 20 Spam-Kommentare, die auf 1 echten Kommentar kommen. Ich erwarte ansonsten jedoch nichts Revolutionäres: Das würde neue Namen oder »Buzzwords« erfordern und nicht mehr als »Bloggen« betitelt werden.

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Stand: 12. Juli 2007.

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