15 Maßnahmen zur Website-Optimierung

Artikel vom 20. August 2008. ISSN 1614-3124, #38 (Feed).

Dieser und viele andere BeitrĂ€ge sind auch als hĂŒbsches, wohlerzogenes E-Book erhĂ€ltlich: On Web Development.

Die Leier ist bekannt: Streben Sie nach einer hochwertigen Website, kĂŒmmern Sie sich um QualitĂ€tssicherung, andernfalls gehören Sie nicht dazu oder vielleicht sogar exmatrikuliert. Um das noch zu unterstreichen, zaubere ich hier noch weitere, bunt gemischte Anhaltspunkte zur QualitĂ€tssteigerung aus dem Hut. Sie wurden bereits im englischsprachigen Teil dieser Website prĂ€sentiert, aber das tut nichts zur Sache, denn die folgenden wilden »Maßnahmen zur Website-Optimierung« wurden speziell auf mitteleuropĂ€ischen Perfektionismus zugeschnitten. Zumindest offiziell.

  1. Entfernen Sie irrelevante BeitrĂ€ge. Das Durchstöbern der eigenen Website mag nicht nur eine gute Maßnahme sein, um bislang unentdeckte Fehler aufzuspĂŒren, sondern auch, um unwichtige, irrelevante BeitrĂ€ge zu identifizieren. Dass manch einer gerade hinsichtlich Blogs das Löschen von BeitrĂ€gen als »Tabu« empfinden mag, sollte nicht ĂŒber die Vorteile einer solchen SĂ€uberung hinwegtĂ€uschen, vernĂŒnftige Weiterleitungen und Fehlerseiten vorausgesetzt: Besucher werden weniger von nĂŒtzlichen Inhalten abgelenkt, die durchschnittliche BeitragsqualitĂ€t wird besser, die Wartung einfacher. BeitrĂ€ge mĂŒssen weder zur Nummer 1 bei Digg gereichen noch mit nur einem monatlichen Besucher dahinvegetieren.

  2. Modifizieren und entfernen Sie Kommentare. Man mag dies als weiteres Tabu empfinden, doch das Bearbeiten und Löschen von Kommentaren hat gute GrĂŒnde, von denen auf dieser Website einige auch in den Kommentarregeln beschrieben werden. Der wichtigste Grund kann Spam sein, besonders, wenn Kommentare tolerant behandelt werden, indem Moderation, nofollow und Ă€hnliches absichtlich vermieden werden, und damit in der Tat ein grĂ¶ĂŸeres Risiko besteht, gespammt zu werden, ohne dass man dies sofort mitbekommt. Das PrĂŒfen von Kommentaren, ihre Bearbeitung, »Neutralisierung« und Löschung, steigert trotz des erforderlichen Aufwands die QualitĂ€t einer Website, reduziert die Wahrscheinlichkeit, in irgendeiner Form von Suchmaschinen »bestraft« zu werden, und nutzt dazu allen Kommentierenden, indem deren BeitrĂ€ge in ihrer Bedeutung gestĂ€rkt werden.

  3. PrĂ€sentieren Sie mehr BeitrĂ€ge auf Startseite und Archivseiten. Sowohl SEO-Überlegungen als auch UIE-Inspiration geschuldet, kann grĂ¶ĂŸere »LinkfĂŒlle« eine weitere Optimierungsmaßnahme darstellen, denn dem Wunsch nach verbesserter Ladezeit zum Trotz kann das Hervorheben von 10 oder 20 Teasern (nicht vollstĂ€ndigen BeitrĂ€gen) mehr Orientierung bieten und hilfreicher sein als 5. Es sei denn, Sie prĂ€sentieren bereits 50 BeitrĂ€ge pro Seite – dann möchten Sie Ihren Besuchern vielleicht etwas Gutes tun und diese Zahl reduzieren, um die jeweilige Seite ĂŒbersichtlicher zu gestalten und dann aber auch tatsĂ€chlich Ladezeit zu reduzieren.

  4. Heben Sie Aktualisierungsdaten (deutlicher) hervor. Das Datum der letzten Aktualisierung eines Dokuments ist auch oder gerade bei Artikeln, die Datumsangaben im URI beinhalten oder bereits das Erstellungsdatum des Dokuments anzeigen, ein wichtiger bzw. der einzige Anhaltspunkt fĂŒr Besucher, dessen AktualitĂ€t zu beurteilen. Verstecken Sie Hinweise auf die letzte Aktualisierung nicht, sondern heben Sie sie hervor. Verfahren Sie bei veralteten BeitrĂ€gen, die Sie nicht mehr aktualisieren können oder wollen, analog und kennzeichnen Sie sie als »veraltet«.

  5. Wenden Sie typographische Maßsysteme an. Das sorgfĂ€ltige Angleichen von SchriftgrĂ¶ĂŸen kann besserer Typographie dienen, auch wenn Mark Boulton die Vorteile der Anwendung einer solchen »Skala« schöner erklĂ€ren kann:

    Typographisches Maßsystem.

    Abbildung: Typographisches Maßsystem. (Copyright Mark Boulton.)

    So, what's so special about these sizes? Well, because this scale of sizes has been used for centuries, if set correctly, type set in this scale will appear more pleasing to the eye and therefore more legible.

  6. Stellen Sie sicher, dass das Layoutraster funktioniert. Ein weiterer knapper Punkt, der vielmehr nahelegen will, dass »Grids« einer Website helfen, wie es in diesem Fall bereits Khoi Vinh mit seinen BeitrÀgen und PrÀsentationen zu Rastern erlÀutert.

  7. ÜberprĂŒfen Sie title-Elemente, und stellen Sie den Seitennamen hinten an. Man kann als Usability-, SEO- oder Maßnahme ansehen, die gesunden Menschenverstand verlangt, dass Seitentitel den Inhalt des jeweiligen Dokuments beschreiben sollten, um dann den Namen der Website hervorzuheben. Es zĂ€hlen die Inhalte, und die ersten Wörter des Seitentitels sind wichtig, um zu zeigen, was auf der jeweiligen Seite geschieht, und das nicht nur in Suchergebnisseiten.

    Beispiel: »Archiv – Max Mustermann« anstatt »Max Mustermann – Archiv«, was der einfachen Konvention entsprechen mag, den Seitentitel aus den h2- und h1-Überschriften zusammenzustellen, durchaus in dieser Reihenfolge.

  8. Achten Sie auf Googles »zusĂ€tzlichen« Index. Diesen Rat habe ich persönlich John Britsios zu verdanken, der auf etwaige, aber dann ernsthafte Probleme hinweist. PrĂŒfen Sie die Anzahl und das VerhĂ€ltnis von Seiten Ihrer Website, die im zusĂ€tzlichen und im »eigentlichen« Index erfasst sind (Ă€hnliche Werkzeuge entnehmen Sie im Zweifelsfall UITest.com), und nehmen Sie entsprechende Anpassungen Ihrer robots.txt vor. Speziell Blog-Software wie WordPress kann viele Dokumente generieren, wie beispielsweise Archivseiten, die Inhalte duplizieren und entsprechend in diesem »Supplemental Index« landen, und nicht nur fĂŒr Suchmaschinen ist der Nutzen dieser Seiten gerne fragwĂŒrdig.

    Sobald Sie entsprechende Maßnahmen ergriffen haben, kann es jedoch einige Wochen oder gar Monate dauern, bis sich das VerhĂ€ltnis wieder normalisiert hat (so dauerte es zwei, drei Monate, bis sich das VerhĂ€ltnis der im zusĂ€tzlichen Index befindlichen Seiten des englischsprachigen Teils dieser Website von 74% auf aktuell 16% verbessert hat).

  9. Aktivieren Sie Dateikomprimierung. Sie können Antwortzeiten verbessern, indem Sie HTML-Dokumente, Stylesheets und Skripte Gzip-komprimiert ausliefern. Auf Apache-2-Servern mĂŒssen Sie dazu nur die folgende Zeile in im Root liegende .htaccess-Dateien einfĂŒgen, angenommen, dass Sie keinen Zugriff auf die httpd.conf haben, was leistungstechnisch besser wĂ€re:

    AddOutputFilterByType DEFLATE application/xml text/css text/html text/javascript text/plain

    Beachten Sie, dass Provider den Gebrauch der AddOutputFilterByType-Direktive bzw. des entsprechenden Moduls unterbinden können (was in einen »Serverfehler« mĂŒnden wird), dass diese Direktive seit Apache 2.0.33 verfĂŒgbar, aber ab 2.1 »veraltet« ist, dass der Server die betroffenen Dateien nicht nur komprimiert, sondern auch mitsamt Header Vary: Accept-Encoding zurĂŒckgeben sollte, um Proxy-Probleme zu vermeiden, und dass ich diesen Abschnitt (mitsamt Alternativen zu AddOutputFilterByType) noch erweitern werde.

  10. ÜberprĂŒfen und optimieren Sie die Organisation von »Hilfsdateien«. Stylesheets, Skripte und Bilder werden in der Regel nach einem Schema organisiert, das Potential bietet, vor allem hinsichtlich Erweiterbarkeit. Eine Organisation Ă  la

    • /media
    • /setup
      • /css
      • /js

    kann eine Verbesserung darstellen: UnabhÀngig von Sprach- oder weiteren PrÀferenzen funktioniert und skaliert diese Struktur besser als andere, vor allem, da »/media« mehr als nur Bilder beinhalten kann und damit mehr FlexibilitÀt hinsichtlich beispielsweise Videos bietet, und »/setup« neben dem kurzen Namen die Legitimation umfasst, Stylesheets und weitere dokumentrelevante aber strukturunbezogene Dateien aufzunehmen. Nichtsdestotrotz sollte eine solche Revision abwÀgen, wie hoch die Kosten des Problems wirklich sind.

  11. Setzen Sie rel="alternate" sinnvoll ein. Wenn Sie auf beispielsweise Übersetzungen verweisen, kann es mehr Sinn ergeben und die Wartung erleichtern, wenn Sie keine link rel="alternate"-Elemente im head-Bereich Ihrer Dokumente einsetzen, sondern statt dessen lediglich Links, die zu Alternativfassungen verweisen, um rel="alternate" ergĂ€nzen. Die Betonung liegt gerade dann auf »Wartung erleichtern«, wenn Sie mehr oder minder ausfĂŒhrlichen Gebrauch von rel="alternate" machen; die Verwendung des lang-Attributs, wie in HTML 4 fĂŒr Übersetzungen empfohlen, scheint – keinen fremdsprachigen Elementinhalt vorausgesetzt – noch weniger anratsam zu sein als hreflang, sofern Sie bei letzterem nicht auf ein unter voller Kontrolle stehendes Dokument verweisen, das keiner »Content Syndication« unterliegt.

  12. Organisieren Sie .htaccess-Direktiven, standardisieren Sie .htaccess-Kommentare. In der Organisation von .htaccess-Dateien findet sich ebenfalls manches Potential. Das bedeutet weniger das HinzufĂŒgen nĂŒtzlicher Direktiven als vielmehr ihr Sortieren, indem man sie beispielsweise alphabetisch ordnet und standardisiert kennzeichnet (letzteres in englischsprachiger, »metaphorischer« Manier, persönlich bevorzugt):

    # Authentifizierung
    ## Authentifizierungsdirektiven
    
    # Einschaltroutine
    ## Verschiedene Direktiven wie zum Beispiel
    AddCharset utf-8 .css .html .js .txt .xml
    AddDefaultCharset utf-8
    CheckSpelling On
    ContentDigest On
    DefaultLanguage en
    
    # Kurskorrektur
    ## URL-Änderungen via Rewrite~
    
    # Kurskorrektur: P1–P3
    ## Redirect- und RedirectMatch-Direktiven
    
    # Notfall
    ## ErrorDocument-Direktiven
  13. Ersetzen Sie Googles und Yahoos Verifizierungs-meta-Elemente durch ihre HTML-Äquivalente. Wenn Sie Google Webmaster Tools oder den Yahoo Site Explorer verwenden und dabei den meta-Element-Weg der Seitenverifizierung beschreiten, können Sie Ihren Nutzern ein paar Bits ersparen, wenn Sie dies Ă€ndern und auf die ebenfalls angebotene Verifikation per HTML-Dokument zurĂŒckgreifen. So bekommen sowohl Google und Yahoo als auch Ihre Besucher, was sie wĂŒnschen, nĂ€mlich einen Anhaltspunkt, dass Ihnen die angemeldete Domain gehört, bzw. ein paar Millisekunden, in denen kein Ballast geladen wird.

  14. ÜberprĂŒfen und aktualisieren Sie Ping-Service-Listen. Online schwirren einige Ping-Dienste herum, die nĂŒtzlich sein können, und so ist die zwischenzeitliche Aktualisierung von Ping-Diensten sicherlich legitim. Die folgende Liste behauptet nicht, das Nonplusultra internationaler Ping-Dienste darzustellen, sondern einen Anhaltspunkt darzustellen:

    http://ping.bitacoras.com/
    http://www.blogdigger.com/RPC2
    http://rpc.blogrolling.com/pinger/
    http://www.feedburner.com/fb/a/pingSubmit?bloglink=http%3A%2F%2Fexample.com%2F
    http://blogsearch.google.com/ping/RPC2
    http://api.moreover.com/ping?u=http%3A%2F%2Fexample.com%2F
    http://ping.myblog.jp/
    http://rpc.pingomatic.com/
    http://www.popdex.com/addsite.php
    http://ping.syndic8.com/xmlrpc.php
    http://rpc.technorati.com/rpc/ping
    http://topicexchange.com/RPC2
    http://www.wasalive.com/ping/
    http://ping.weblogalot.com/rpc.php
    http://rpc.weblogs.com/RPC2
    http://api.my.yahoo.com/RPC2
  15. Widmen Sie sich der Sicherheit Ihres Blogs. Keine angenehme, aber angesichts der immer wieder auftretenden Probleme nicht sinnlose Aufgabe. Wenn Sie (ebenfalls) kein Experte fĂŒr Blog-Sicherheit sind, achten Sie dazu zumindest auf einschlĂ€gige Informationen, vielleicht in anderen Blogs, wie bei beispielsweise Frank BĂŒltge und seinen WordPress-Tipps.

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Über mich

Jens Oliver Meiert, am 30. September 2021.

Ich bin Jens, und ich bin ein Engineering Lead und Autor. Ich habe als technischer Leiter fĂŒr Google gearbeitet, bin W3C und WHATWG verbunden und schreibe und begutachte BĂŒcher fĂŒr O’Reilly. Ansonsten experimentiere ich gerne, mitunter in den Bereichen Philosophie, Kunst und Abenteuer. Hier auf meiert.com teile ich einige meiner Ansichten und Erfahrungen.

Wenn du eine Frage oder Anregung zu dem hast, was ich schreibe, sende bitte jederzeit eine Nachricht. Danke!