Jens Oliver Meiert

Gratis Webdesign

Artikel vom 7. Juli 2003 (↻ 23. November 2004). ISSN 1614-3124, #1.

Dieser Artikel ist veraltet.

Mehrere Anbieter sowohl vermeintlich aus Enthusiasmus kostenloser oder auch verlockend kostengünstiger Vorlagen für Websites positionieren sich: Neben einer Vielzahl von Agenturen, die auch im deutschsprachigen Raum tätig sind und die ihre eher zu vernachlässigenden Vorlagen mehr zum Ankurbeln ihrer Umsätze verwenden, gibt es auch eine Reihe von Organisationen, die sich vorgeblich dem Open-Source-Gedanken verschreiben oder durch knapp kalkulierte Geschäftsmodelle überzeugen wollen.

Da mich interessierte, wie gut diese Anbieter wohl sein mögen, entschloss ich mich, dies einmal stichprobenhaft zu untersuchen und die Ergebnisse zu publizieren. Um eine kleine und damit leider nicht allzu detaillierte Analyse freien Webdesigns und kostenloser Vorlagen durchzuführen, habe ich mich nach einigen vor allem populäreren und seriöseren Anbietern umgesehen und mich für eine in meinen Augen durchaus repräsentative Garde entschieden – FreeLayouts.com, Open Source Web Design und, als kostenpflichtige Gegenprobe, TemplateMonster.

Die Untersuchung beinhaltete eine Kontrolle des Quelltextes (sofern möglich, denn TemplateMonster offeriert nur Screenshots ihrer Angebote), eine Beurteilung der Benutzerfreundlichkeit (Usability, nicht aber Barrierefreiheit) sowie der Browser-Kompatibilität – und eine abschließende Bewertung ihres Werts für Interessenten. Es wurden jeweils drei Vorlagen ausgesucht, ohne dabei jedoch seiteninterne Bewertungssysteme oder schon augenscheinlich minderwertige Entwürfe zu berücksichtigen, was in diesem Zusammenhang eine objektivere Aussage ermöglichen sollte.

FreeLayouts.com

Diese Website bietet gratis Website-Vorlagen sowie Flash-Animationen an, kooperiert aber auch mit TemplateMonster, um professionellere und nicht kostenfreie Entwürfe an den Mann oder die Frau zu bringen. Der Fundus von FreeLayouts.com umfasst eine offenbar sehr große Anzahl von Vorlagen, die nicht ohne weiteres gesichtet werden konnte. Die angebotenen Muster werden mit einer Downloadnummer geordnet, und die von mir analysierten Seiten trugen die Nummern 838, 1075 und 2380.

Die Überprüfung von HTML und CSS legte sofort wesentliche Defizite frei – keine der drei Vorlagen konnte über den W3C-Validierer validiert werden, und das trotz Überschreibung des Dokumenttyps (»doctype«), der gar nicht erst definiert worden war. Um den Quelltext wirklich prüfen zu können, wurde im Rahmen dieser Dokumenttypüberschreibung sowohl gegen HTML 4.01 Transitional als auch gegen XHTML 1.0 Transitional validiert, so dass auch zu anderen XHTML-Varianten konforme Templates hätten »positiv« abschließen können. CSS wurden bei zwei Vorlagen intern eingebunden, eines verzichtete darauf und verwendete statt dessen unter anderem veraltete (»deprecated«) font-Elemente.

Der Test auf Browser-Kompatibilität brachte im nächsten Schritt weitere Probleme ans Licht, so waren die beiden Muster, die Stylesheets verwendeten, unter anderem unter Netscape 4.77 gar nicht verwendbar (was aber nicht an einem anspruchsvollen Gebrauch von CSS lag). Aus Sicht der Bedienbarkeit konnten Schwächen ausgemacht werden, doch hielten sich die Vorlagen weitestgehend an verbreitete Konventionen; ohne Inhalte ist eine solche Beurteilung jedoch von jeher mit besonderen Schwierigkeiten verbunden, können doch »echte« Inhalte erst wirklich zeigen, wie benutzerfreundlich und aussagekräftig eine Website ist. Ein Missbrauch von zum Beispiel Schnittstellenelementen lag jedoch nicht vor.

Fazit: Die hier feilgebotenen Webseiten muten mehr wie die Arbeit von Hobbyentwicklern an und sind durch die unsaubere Programmierung eher nicht zu empfehlen. Von einem geschäftlichen Gebrauch ist von vornherein abzuraten, und ein privater Nutzen scheint auch nur vorhanden, wenn man diese Vorlagen als Basis nimmt, um zu trainieren und sie zu verbessern.

Open Source Web Design

Open Source Web Design offeriert wie FreeLayouts.com kostenlose Website-Vorlagen und bemüht sich um den Verkauf einiger davon bei TemplateMonster. Unter der Auswahl Most Popular habe ich mir dennoch einige der beliebtesten Vorlagen heruntergeladen (»Fade Out«, »Sliqua« und »Stylish«) und untersucht.

Die Analyse von HTML und CSS verlief hier erfreulich, denn alle drei Vorlagen erwiesen sich als valid im Hinblick auf HTML 4.01 beziehungsweise XHTML 1.0. Auch wurden Stylesheets konsequent eingesetzt, zwei referenzierten auf externe, eines auf interne CSS.

Zwei Wermutstropfen trüben jedoch das Bild: Zwar konnten alle Vorlagen auch auf einer Auflösung von 800×600 Pixel betrachtet werden, vollzog man hier aber einen Test in einem 4er Netscape-Browser, war keine Webseite wirklich darstellbar (was für manche weniger schlimm sein mag, aber immerhin greifen noch immer sicher Hunderttausende Benutzer auf diesen Browser zurück – siehe auch Webentwicklung und Standards); zum anderen traten deutlichere Usability-Probleme auf als bei den Vorlagen von FreeLayouts.com – im Vordergrund standen hier falscher Gebrauch und ungewöhnliche Positionierung von Schnittstellenelementen sowie ein massives »Hintergrundrauschen« (Steve Krug), bedingt durch eine Vielzahl visueller wie auch textueller Elemente.

Fazit: Das Angebot von Open Source Web Design wirkt durchdachter und professioneller, allerdings kann ich mich dem Gedanken nicht verwehren, dass das Abnahmekriterium hier lediglich die erfolgreiche Validierung des Codes (HTML, CSS) ist. Aus Sicht von Kompatibilität und Bedienbarkeit zeigen sich hier (und auch bei den anderen dortigen Mustern) große Schwächen, und summa summarum wirken die Vorlagen allzu verspielt. Für den privaten Gebrauch jedoch eine Möglichkeit.

Nachtrag (23. November 2004)

Anfang 2004 habe ich mich selbst bei Open Source Web Design angemeldet und auch recht rasch ein eigenes Design namens »Hathor« (Download, 2 KB) entwickelt, das auf dem ursprünglichen Skelett meiner Websites UITest.com, Crossphader und MarkupVoodoo.com basiert (die letzten beiden habe ich mittlerweile aus der Hand gegeben). Dieser immer mal wieder überarbeiteten Vorlage schreibe ich es zu, trotz oder wegen ihrer Einfachheit wesentlich benutzerfreundlicher als ihre dort präsentierten Geschwister zu sein – und darf mit einem Augenzwinkern konstatieren, dass sich die Qualität der dortigen Templates damit bessert.

TemplateMonster

Das Portfolio von TemplateMonster umfasst nicht nur Homepagevorlagen, sondern auch Flash-Animationen, Header oder anderes schmückendes Beiwerk. Das Geschäftsmodell basiert auf zwei Ansätzen: Entweder günstig eine Vorlage erstehen (ab etwa 30 US$), die jedoch auch andere Käufer erwerben können, oder die Exklusivrechte für ein bestimmtes Muster kaufen (natürlich weitaus teurer), womit dieses dann aus dem Verkehr gezogen wird. Da TemplateMonster sich natürlich nicht in die Karten schauen lassen will, konnte die Qualität der zu erwerbenden Dateien nicht beurteilt werden.

Je nachdem, für welchen Zweck man eine Vorlage benötigt, wird dies manchmal unterschiedlich priorisiert (ich mag diesen Umstand hier nicht konnotieren), doch bleibt Usability immer noch ein beurteilbares Kriterium bei den Produkt-Screenshots. Und hier zeigt sich, dass zwar offensichtlich subjektiv »schöne« Websites erworben werden können, jedoch mit einem variierenden, aber omnipräsenten Manko, nämlich dem Fehlerspektrum, das von missverständlich positionierten Eingabeelementen über unleserliche (da kontrastarme) Schriftbilder bis hin zu konventionsbrechenden Seitenbestandteilen reicht.

Fazit dieser weniger konkreten Ausführung: Eine Empfehlung kann nicht gegeben werden, da die Bedienbarkeit weitestgehend fehlerbehaftet zu sein scheint, hauptsächlich aber, weil der Quelltext nicht beurteilt werden konnte. Abzuraten ist trotzdem nicht zwangsläufig, da unter Verzicht auf Exklusivität die Palette dennoch attraktiv scheint, was private und nach Test der Usability möglicherweise sogar auch geschäftliche Websites anbelangt. Schlussendlich ein Remis.

Zusammenfassung

Um eine wirklich aussagekräftige Beurteilung des Marktes abzugeben, müssten weitaus mehr Vorlagen und Anbieter getestet werden, und dies auf mehr Browsern und Plattformen. Letztlich sollte alles, was ein sauberes, funktionierendes Design ausmacht, auch in diesen freien Mustern wiederzufinden sein, um eine Empfehlung aussprechen zu können – und das tut es nach dieser Interims-Untersuchung definitiv nicht.

Was diese kleine Analyse insgesamt aufzeigen sollte, ist die deutliche Schwankung zumindest der Qualität der Programmierung – aber es ist ein gutes Signal, durchaus standardkonforme und semantische Vorlagen kostenfrei erhalten zu können. Es sollte zudem hervorgegangen sein, dass ein Themengebiet noch leidet, nämlich die Bedienbarkeit respektive Usability. Ich wage die Prognose, dass dies sich auch nicht so schnell ändern wird, denn Benutzerfreundlichkeit kann nicht einfach mit einem Skript überprüft werden, und ein Nutzertest wird (und kann?) bei derartigen Angeboten nicht auf einmal inklusive sein.

Über den Autor

Jens Oliver Meiert, Foto vom 27. Juli 2015.

Jens Oliver Meiert ist ein deutscher Philosoph und Entwickler (Google, W3C, O’Reilly). Er experimentiert mit Kunst und Abenteuer. Hier auf meiert.com teilt und verallgemeinert und übertreibt er einige seiner Gedanken und Erfahrungen.

Mehr Jens gibt es im Archiv und bei Amazon. Wenn Sie eine Frage oder ein Anliegen (oder eine Empfehlung) zu dem haben, was er schreibt, senden Sie gerne jederzeit eine Nachricht.

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Stand: 23. November 2004.

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