Jens Oliver Meiert

Was ist Barrierefreiheit im Internet? (A List Apart)

√úbersetzung eines Artikels von A List Apart vom 15. August 2004.

Vor einigen Wochen ver√∂ffentlichte A List Apart meinen Artikel √ľber Barrierefreiheit im Internet und die damit verbundenen rechtlichen Erfordernisse in Gro√übritannien. Der Artikel f√ľhrte zu einer hitzigen Debatte und brachte bez√ľglich dem Thema Barrierefreiheit einiges an Verwirrung zutage, was mich dazu veranlasste, diesen Folgeartikel zu schreiben.

Was folgt, wird vielen ALA-Lesern vertraut, einigen aber noch neu vorkommen. Wie es bei allen Zusammenfassungen und √úberblicken so ist, wurde dieser Artikel vereinfacht und behandelt keine Ausnahmen und Randerscheinungen. Die Herausgeber und ich hoffen, dass er einen n√ľtzlichen Halt f√ľr jene Leser darstellt, die am Ufer zug√§nglichen Webdesigns stehen, aber Haie f√ľrchten, wo nur harmlose Wellen sind.

Inhalt

  1. √úber diesen Artikel
  2. Menschen mit Behinderungen
    1. Blinde Benutzer
    2. Partielle oder schlechte Sehkraft
    3. Farbenblindheit
    4. Taube oder gehörlose Benutzer
    5. Benutzer ohne Maus
    6. Weitere Benutzer
  3. Neue (und alte) Technologien
    1. PDAs und mobile Endgeräte
    2. WebTV
    3. JavaScript
    4. Langsame Verbindung
  4. Und letztendlich ‚Ķ

√úber diesen Artikel

Dieser Artikel wird Ihnen nicht erz√§hlen, wie man eine barrierefreie Website erstellt ‚Äď das wird unter anderem schon von Mark Pilgrim in seinem exzellenten Dive into Accessibility sowie von Joe Clark in seinem umfassend recherchierten und wunderbar geschriebenen Buch Building Accessible Websites behandelt.

Nachdem Sie Pilgrims und Clarks Werke gelesen haben, wollen Sie sich au√üerdem vielleicht mit den W3C-Accessibility-Pr√ľfkriterien befassen, obwohl diese stellenweise vage oder gar verwirrend sein m√∂gen. Ich werde nicht damit anfangen, Ihnen die Vorteile der Barrierefreiheit herunterzubeten ‚Äď das habe ich schon an anderer Stelle getan. Statt dessen wird Ihnen dieser Artikel sagen, was Sie zu beachten haben, wenn Sie Ihre Website zug√§nglich machen wollen, und was die damit verbundenen Erfordernisse sind. Nun gut, lassen Sie uns beginnen ‚Ķ

Menschen mit Behinderungen

Blinde Benutzer

Internetnutzer, die nichts sehen können, gebrauchen oftmals Screenreader (Bildschirmlesesoftware), die Ihnen den Inhalt von Websites vorlesen. Derartige Software geht quasi durch den HTML-Code und dechriffiert, was laut vorgelesen und was ignoriert werden muss.

Benutzer von Windows können dies mit dem IBM Home Page Reader ausprobieren, der als kostenlose 30-Tage-Testversion heruntergeladen werden kann. (Sie benötigen eine aktuelle Version von Microsoft Windows sowie einen einigermaßen leistungsfähigen PC mit Pentium-Prozessor oder etwas vergleichbarem.) Wenn Sie das Programm erst einmal heruntergeladen und installiert haben, schalten Sie am besten Ihren Monitor aus und versuchen, zu navigieren.

Bekanntere Open-Source-Screenreader f√ľr Linux sind beispielsweise Emacspeak und IBM ViaVoice.

Die n√§chste gr√∂√üere Revision von Mac OS X wird eine integrierte ¬Ľgesprochene Oberfl√§che¬ę-Technologie beinhalten. Benutzer von Mac OS X k√∂nnen eine Vorabversion herunterladen und testen, wenn sie zuvor einen kurzen Fragebogen ausf√ľllen.

Partielle oder schlechte Sehkraft

Um das Internet voll nutzen zu k√∂nnen, m√ľssen Benutzer mit partieller oder schlechter Sehkraft in der Lage sein, Text auf Websites vergr√∂√üern zu k√∂nnen.

Wie die Leser dieses Online-Magazins bereits wissen, bieten Opera, IE 5 f√ľr Macintosh, Firefox/Mozilla/Netscape, Konqueror, Safari sowie alle anderen modernen Browser (bis auf einen) entsprechende Vorrichtungen, um die Textgr√∂√üe anpassen zu k√∂nnen, Vorrichtungen, die funktionieren und denen es nichts ausmacht, welche Methode der Designer angewandt hat, um die Schriftgr√∂√üe zu spezifizieren.

Aber damit die Benutzer des Internet Explorer f√ľr Windows die Schriftgr√∂√üe anpassen k√∂nnen, m√ľssen Sie diese in Prozent, em oder √ľber einen relativen Wert (small, medium &c.) definieren, genauso, wie es dieses Magazin tut, bzw. einen einfachen oder erweiterten Stylesheet-¬ĽSchalter¬ę gebrauchen, um diese Funktionalit√§t zu bieten.

Benutzer mit schlechtem Sehvermögen können ebenso auch Bildschirmvergrößerungssoftware verwenden. Sie können solche Vergrößerungssoftware kostenlos herunterladen und ausprobieren.

Farbenblindheit

Es wird geschätzt, dass jeder zwölfte Mann sowie jede zweihundertste Frau unter irgendeiner Form von Farbenblindheit leidet. Sie können unter anderem mit Vischeck testen, wie Internetnutzer mit unterschiedlichen Ausprägungen von Farbenblindheit Ihre Website wahrnehmen.

Taube oder gehörlose Benutzer

Taube Benutzer k√∂nnen grunds√§tzlich genauso auf das Internet zugreifen wie Menschen, die nicht taub sind, allerdings mit einer Ausnahme ‚Äď Audioinhalte. Wenn es auf Ihrer Website eine Schl√ľsselfunktion einnimmt, dass Besucher Nachrichten h√∂ren m√ľssen, sollten Sie sicherstellen, dass Sie zumindest Transkriptionen (Abschriften) bereitstellen. (Um mehr als das mindeste zu tun, beachten Sie bitte Kapitel 13 von Joe Clarks Building Accessible Websites.)

Benutzer ohne Maus

Manche Ihrer Benutzer haben keinen Zugriff auf eine Maus, wenn Sie durch das Internet surfen, und verwenden ausschließlich die Tastatur oder bestimmte Software. Versetzen Sie sich in ihre Lage, indem Sie auf Ihrer Website nur mit Tab, Shift + Tab und Enter navigieren.

Weitere Benutzer

Auch andere Menschen, die Zugriff auf Ihre Website haben, leiden m√∂glicherweise unter Nachteilen, die sich zum Beispiel wie folgt ausdr√ľcken:

Um sich wirklich in die Lage eines dieser Benutzer hineinzuversetzen, beachten Sie unter anderem bitte eine DRC-Demonstration einer nicht zugänglichen Website.

Neue (und alte) Technologien

PDAs und mobile Endgeräte

Die Zahl der Menschen, die √ľber Handger√§te auf das Internet zugreift, w√§chst in gro√üem Ma√üe ‚Äď so wurden 2002 fast drei Millionen PDAs in Westeuropa verkauft, und es wird gesch√§tzt, dass allein 2008 voraussichtlich 58 Millionen PDAs verkauft werden.

Handger√§te verf√ľgen generell √ľber eine lausige Unterst√ľtzung von gro√üen Bildern, JavaScript, Flash und (zu) oft sogar von CSS. Da sie zum Teil nur 120 Pixel Breite bieten, sind horizontale Scrollbalken keine Option. Lesen Sie hierzu unter anderem Webmonkeys Artikel √ľber Entwicklung f√ľr kleine Bildschirme. Und √ľberpr√ľfen Sie mit dem Wapalizer (Anmerkung des √úbersetzers: leider nicht mehr verf√ľgbar) kostenlos die Handger√§te-Zug√§nglichkeit Ihrer Website.

WebTV

WebTV bietet eine maximale Breite von 575 Pixeln, wobei horizontales Scrollen nicht möglich ist. Sie können den kostenlosen WebTV-Betrachter herunterladen, um zu sehen, wie Ihre Website auf einem TV-Bildschirm aussieht.

JavaScript

Ungef√§hr 6% der Internetnutzer surfen ohne Unterst√ľtzung von JavaScript. Dies kann daran liegen, dass sie einen Browser verwenden, der gar kein JavaScript unterst√ľtzt (wie der Text-Browser Lynx), oder dass sie JavaScript zum Beispiel aus Sicherheitsgr√ľnden oder zur Vermeidung von Popups deaktiviert haben.

Langsame Verbindung

Breitband ist noch lange nicht so verbreitet, wie Sie annehmen. Letztes Jahr zur selben Zeit (Anmerkung des √úbersetzers: April 2003) verf√ľgte in Gro√übritannien nur einer von sechs Internethaushalten √ľber einen Breitbandzugang. Benutzer mit langsamen Verbindungen k√∂nnten auf die Darstellung von Bildern verzichten, um so schnellere Downloadzeiten zu erzielen, und manche Browser (wie Lynx) zeigen gar keine Bilder an. Vergewissern Sie sich, dass Sie alt-Attribute verwenden!

Und letztendlich ‚Ķ

Jeder Webentwickler mit einfachen HTML- und CSS-Designkenntnissen, der ein wenig Zeit zur Hand hat, kann leicht etwas √ľber Barrierefreiheit lernen und dies anwenden ‚Äď es handelt sich schlie√ülich nicht um Neurowissenschaften. ¬ĽWeb-Accessibility¬ę dreht sich darum, Designstandards zu beachten und diesen ein paar wenige einfache Barrierefreiheitsfunktionen hinzuzuf√ľgen. Es geht nicht einfach nur darum, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu Ihren Seiten haben ‚Äď es geht darum, dass jeder in der Lage ist, auf Ihre Website zuzugreifen.

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Stand: 15. August 2004

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