Jens Oliver Meiert

Scrum kompakt: Allgemeines, Begriffe, Prinzipien, Rollen und Termine

Artikel vom 14. Oktober 2019 (↻ 7. November 2019). ISSN 1614-3124, #62.

Was ist Scrum? Seit mehr als zwei Jahrzehnten stellt Scrum eines der wichtigsten Vorgehensmodelle in der IT dar, nebst diversen »agilen« Ansätzen, und dennoch setzt jedes Unternehmen Scrum anders ein (oder entgegen der eigenen Vorstellungen gar nicht). Ich selbst würde mich nicht als den Experten für Scrum bezeichnen, aber da ich mit Scrum in ebenfalls zwei Jahrzehnten in vielen Formen gearbeitet habe und mich aktuell wieder intensiver mit Scrum beschäftige, teile ich hier ein paar Eckpfeiler von Scrum, als Kurzeinführung, als Gegenprobe, zum Auffrischen.

Obwohl sich bei fast allen technischen Themen Primärliteratur im englischen Sprachraum befindet, kann ich ein deutsches Buch empfehlen, das auch einige Punkte dieser kleinen Ausarbeitung motiviert hat: Henning Wolfs, Rini van Solingens und Eelco Rustenburgs Die Kraft von Scrum (2014). Wer ein gutes englischsprachiges Buch zu Scrum bevorzugt, das auch auf eine Zertifizierung (PSM) hinarbeitet, dem kann ich unter anderem Mohammed Musthafa Soukath Alis Scrum Narrative and PSM Exam Guide (2017) nahelegen.

Allgemeines

Scrum ist die Entwicklung in kurzen Zyklen (Iterationen, oder Sprints), die auf das schnelle Ausliefern des höchsten Werts für das Projekt oder Produkt abzielt.

Scrum bietet Qualität, Transparenz und Vorhersagbarkeit, fördert frühes Feedback und stellt sicher, dass man das Produkt zuverlässig und dabei so oft wie möglich ausliefern kann.

Die drei sogenannten Säulen von Scrum sind Transparenz, Inspektion und Anpassung (Adaptation).

Scrum ist so aufgebaut, dass es auf Team-, Produkt- und Organisationsebene funktioniert.

Teams sind 5–9 (nach PSM 3–9) Mitglieder groß.

Das Team ist flexibel zwischen Sprints, aber bewusst inflexibel innerhalb von Sprints.

Es kann eine Weile dauern, bis jeder seine in Scrum zugedachte Rolle und Denkweise verstanden hat. (»Es geht nicht darum, härter zu arbeiten, sondern schlauer.«)

Scrum führt man am besten erst »nach Lehrbuch« ein und durch, und passt es wenn nötig dann an.

Begriffe

Produkt-Backlog: die Vision, als Überblick über die Zukunft, die aber nicht detailliert ist (das wird nur für die nächsten Sprints gemacht, im Sprint-Backlog). Im Produkt-Backlog müssen alle Ideen enthalten und nach Geschäftswert priorisiert sein. (»Ein gutes Backlog ist mehr als die halbe Miete.«)

Inkrement: das Ergebnis aller während eines Sprints abgeschlossenen Teile des Backlogs. Zusammen mit Produkt- und Sprint-Backlog bildet das Inkrement die drei sogenannten »Artefakte« von Scrum.

Impediment: eine Hürde, die das Team beim Fertigstellen des Sprints behindert. Impediments müssen vom Scrum Master vor dem nächsten Standup gelöst werden.

Definition of Done: eine Liste von Kriterien, was »fertig« für den Sprint heißt.

Geschwindigkeit (Velocity): die Menge an Arbeit, die ein Team in einem Sprint erledigen kann. Dies kann auf unterschiedliche Art gemessen werden, unter anderem in Story Points oder idealen Personentagen.

Planungspoker: eine Schätzmethode mit Gruppenkonsens, das heißt unterschiedliche Schätzungen werden vom Team besprochen und aufgelöst. Das Ziel von Planungspoker ist nicht Vorhersagbarkeit, sondern das mittel- bis langfristige Vorhersagbarwerden.

Burndown-Chart: wie schnell das Team die geplanten Stunden im Verhältnis zur verbliebenen Zeit »herunterbrennt«.

User-Story: das Verwendungsszenario und die Situation, die das »Was«, »für Wen« und das »Warum«, also den Nutzen oder Wert des Szenarios beschreibt. User-Stories werden vom Team benutzt, um Details vom Product Owner zu erfahren.

Diese Begriffe und Konzepte sind nicht alle Teil von Scrum, kommen aber oft in seinem Umfeld auf.

Prinzipien

Scrum basiert auf fünf Werten: Fokus, Respekt, Offenheit, Hingabe (Commitment) und Mut.

Anforderungen können nicht von vornherein fixiert werden. Veränderungen sind willkommen.

Für jeden Sprint werden die Sachen gewählt, die den größten Wert für den Kunden darstellen.

Das Produkt ist immer benutzbar und wertstiftend, man ist jederzeit in der Lage, es auszuliefern.

Feedback ist wichtig.

Rollen

Scrum kennt hauptsächlich drei Rollen: Product Owner, Scrum Master und Entwickler (als Mitglied des Entwicklungsteams).

Der Kunde beziehungsweise der Product Owner als Vertreter des Kunden stellt sicher, dass das Team ihn versteht.

Der Product Owner bestimmt, was gebaut wird, und priorisiert Aufgaben für den jeweiligen Sprint. Er bestimmt nicht, wie etwas gemacht wird (dies macht das Team selbst).

Der Scrum Master ist verantwortlich für den Scrum-Prozess.

Das Team organisiert sich selbst, plant den Sprint und fragt solang nach, bis genau klar ist, was im nächsten Sprint erwartet ist. Es ist verantwortlich für alle Ergebnisse. Das Team besteht nur aus Entwicklern, wobei Product Owner und Scrum Master auch Teammitglieder sein können.

Termine

Scrum kennt offiziell fünf Ereignisse: den Sprint, die Sprint-Planung, das Standup (Daily Scrum), die Sprint-Review und die Sprint-Retrospektive.

Beispiel-»Stundenplan« für eine Woche Scrum.

Abbildung: Scrum-Termine am Beispiel eines Wochensprints.

Sprint-Planung (am Anfang vom Sprint): die Präsentation und Aufteilung aller Einträge aus dem Sprint-Backlog in einzelne Tasks (mit etwa 2–4 Stunden Aufwand), nebst einer Definition of Done für den Sprint.

Standup: tägliches Meeting, bis zu 15 Minuten, mit drei (beispielhaften) Fragen: »Was habe ich seit gestern erreicht? Was werde ich heute erreichen? Was blockiert mich?«

Review (am Ende vom Sprint): die Live-Demonstration des aktuellen Produkts, das der Definition of Done entsprechen sollte. Am Ende der Review sollte der Product Owner das Team entlasten.

Retrospektive (kurz: Retro, am Ende vom Sprint): Team-Analyse der eigenen Leistung zur Verbesserung des Prozesses mit Beschluss von Maßnahmen. Die Retrospektive ist nutzlos, wenn die Maßnahmen nicht ergriffen werden.

Backlog-Refinement: die Ausarbeitung relevanter Backlog-Einträge, so dass klar ist, was erwartet wird. Das Backlog-Refinement sollte nicht mehr als 10% der Zeit des Teams beanspruchen.

Kanban mit Taskboard-Updates: Priorisierte Dokumentation und Aktualisierung aller Aufgaben am Taskboard, mit »To Do«, »in Arbeit«, »fertig«.

❧ Mit Dank an Hans-Georg Bess, einer der Organisatoren des PMCamp Hamburg, für Feedback zu diesem Artikel.

Über mich

Jens Oliver Meiert, am 27. September 2019.

Ich bin Jens Oliver Meiert, und ich bin ein Webentwickler und Autor. Ich experimentiere gerne, unter anderem in den Bereichen Philosophie, Kunst und Abenteuer. Hier auf meiert.com teile ich einige meiner Gedanken und Erfahrungen.

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